Was ist der Unterschied zwischen Indica und Sativa?
Indica, Sativa oder Hybrid: Bei fast jeder modernen Cannabissorte begegnen einem diese Begriffe. Besonders häufig werden sie verwendet, um das typische Wirkprofil einer Sorte zu beschreiben.
Sativa-dominante Sorten werden dabei tendenziell mit einer anregenden, geistig aktiven Wirkung verbunden, während Indica-dominante Sorten eher für eine entspannende und körperbetonte Wirkung stehen. Darüber hinaus unterscheiden sich die klassischen Typen auch in ihrem Erscheinungsbild und ihrer Herkunft.
Ganz so einfach, wie diese Einteilung zunächst klingt, ist die Sache allerdings nicht: Die meisten heutigen Sorten sind Hybride und die Begriffe „Indica“ und „Sativa“ werden in der modernen Sortenwelt anders verwendet als in der botanischen Taxonomie.
Indica und Sativa im Überblick
Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede, die typischerweise mit Indica- und Sativa-dominanten Sorten verbunden werden.
Wichtig ist dabei das Wort „typischerweise“: Die Angaben beschreiben Tendenzen. Eine einzelne Sorte kann davon abweichen und moderne Hybride vereinen häufig Eigenschaften beider Gruppen.
| Merkmal | Indica | Sativa |
|---|---|---|
| Typische Wirkung | Tendenziell entspannend, beruhigend und körperbetont; häufig als „Stoned“ beschrieben | Tendenziell anregend, aktivierend, kreativitäts- und konzentrationsfördernd; häufig als „High“ beschrieben |
| Aktivitätsniveau | Tendenziell beruhigend und dämpfend | Tendenziell aktivierend und geistig anregend |
| Erscheinungsbild | Eher kompakt und buschig | Eher hoch und schlank |
| Blätter | Tendenziell größer und breiter | Tendenziell schmaler |
| Verzweigung | Häufig stärker verzweigt | Häufig lockerer aufgebaut |
| THC- und CBD-Gehalt | Aus dem Indica- oder Sativa-Anteil allein lässt sich kein zuverlässiger THC- oder CBD-Gehalt ableiten. | |
| Aroma und Terpenprofil | Bestimmte Terpenprofile treten bei klassischen Indica- beziehungsweise Sativa-Typen unterschiedlich häufig auf. Bei modernen Hybriden hängt das konkrete Aroma jedoch vor allem von der jeweiligen Genetik ab. | |
Unterschiede bei der Wirkung von Indica und Sativa
Für die meisten Konsumenten ist die Wirkung der wichtigste praktische Unterschied zwischen Indica und Sativa. Genau deshalb spielt sie auch bei der Beschreibung und Einordnung moderner Sorten durch Züchter eine zentrale Rolle.
Typische Sativa-Wirkung
Sativa-dominante Sorten werden typischerweise als anregend, energetisierend und geistig aktivierend beschrieben. Häufig genannte Eigenschaften sind außerdem ein gesteigerter Tatendrang, Kreativität, Aufmerksamkeit und ein stärker im Kopf wahrgenommenes „High“.
Die klassische Sativa-Wirkung wird daher häufig mit Begriffen wie „uplifting“, „energetic“, „creative“ oder „focused“ beschrieben.
Typische Indica-Wirkung
Indica-dominante Sorten werden dagegen typischerweise mit einer beruhigenden, entspannenden und stärker körperlich wahrgenommenen Wirkung verbunden.
Häufig werden dabei Eigenschaften wie körperliche Entspannung, Ruhe, Müdigkeit und ein schwereres Körpergefühl genannt. Im traditionellen Sprachgebrauch wird dieses Wirkprofil häufig als „Stoned“ bezeichnet.
Ist dieser Unterschied wissenschaftlich nachweisbar?
Die einfache Aussage „Sativa wirkt immer so und Indica immer so“ wäre zu pauschal. Trotzdem zeigen Untersuchungen, dass die traditionellen Wirkungsbeschreibungen nicht einfach aus der Luft gegriffen sind.
In einer Untersuchung zu den Erfahrungen von Cannabis-Konsumenten wurden bei Indica beispielsweise deutlich häufiger die Wirkungen „entspannt“ und „müde“ angegeben. Bei Sativa wurden dagegen wesentlich häufiger Eigenschaften wie „energiegeladen“, „aufmerksam“, „motiviert“ und „fokussiert“ genannt. [5]
Eine weitere Untersuchung, bei der Konsumenten ihre Wirkung unmittelbar nach der Verwendung verschiedener Sorten dokumentierten, fand ebenfalls einen Zusammenhang: Als Indica-dominant klassifizierte Sorten waren signifikant stärker mit sogenannten Low-Arousal-Effekten verbunden, also beispielsweise einem ruhigeren und verlangsamten Empfinden. [6]
Gleichzeitig kann die Wirkung einer einzelnen Sorte nicht allein anhand ihres Indica- oder Sativa-Anteils vorhergesagt werden. Sie hängt unter anderem von ihrem individuellen Cannabinoid- und Terpenprofil sowie von individuellen Faktoren der jeweiligen Person ab.
Wissenschaftliche und botanische Einordnung
Warum liest man dann immer wieder, die Unterscheidung zwischen Indica und Sativa sei wissenschaftlich falsch?
Der Grund liegt vor allem darin, dass hier häufig zwei verschiedene Dinge miteinander vermischt werden:
- die botanische Taxonomie, also die wissenschaftliche Einordnung von Cannabis,
- und die heutige Verwendung von Indica und Sativa als Sortenbeschreibung.
Diese beiden Systeme sind nicht deckungsgleich.
Die botanische Einordnung von Cannabis, seinen Unterarten und Varietäten wurde im Laufe der Geschichte mehrfach verändert und wird bis heute wissenschaftlich diskutiert. Moderne genetische Untersuchungen haben zusätzlich gezeigt, dass die Verwandtschaftsverhältnisse komplizierter sind als eine einfache Aufteilung in zwei getrennte Arten. [4]
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1753
Carl von Linné beschrieb Cannabis sativa L.. [1]
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1785
Jean-Baptiste de Lamarck beschrieb mit Cannabis indica Pflanzen aus Indien als eigenständige Art. [3]
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1920er-Jahre
Dmitrij E. Janischewsky beschrieb Cannabis ruderalis. [2]
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Moderne Genomforschung
Genetische Untersuchungen führten zu verschiedenen neuen Modellen für die Klassifikation der Gattung Cannabis. Eine einheitliche, allgemein akzeptierte Aufteilung in die im Sortenhandel verwendeten Kategorien Indica und Sativa ergibt sich daraus nicht. [4]
McPartland und Small schlugen 2020 beispielsweise vor, Cannabis wieder als eine einzige Art mit mehreren Unterarten und Varietäten zu betrachten. [4]
Das führt zu einer zunächst etwas verwirrenden Situation: Eine Sorte, die im Handel als „Sativa“ bezeichnet wird, muss botanisch keineswegs einer eigenen Art Cannabis sativa entsprechen.
Wenn ein Züchter eine Sorte als „Sativa-dominant“ bezeichnet, meint er daher normalerweise nicht deren exakte botanische Taxonomie, sondern bestimmte Merkmale der Abstammung, des Erscheinungsbildes und insbesondere des erwarteten Wirkcharakters.
Typische Merkmale von Indica- und Sativa-Sorten
Neben der Wirkung werden Indica und Sativa traditionell auch mit unterschiedlichen äußeren Merkmalen verbunden.
Auch hierbei handelt es sich um Tendenzen. Gerade moderne Hybride können einzelne Eigenschaften beider klassischen Typen miteinander kombinieren.
Quelle: Wikimedia Commons – „Cannab2.jpg“ (Public Domain)
Typische Indica-Merkmale
Klassische Indica-Typen werden tendenziell als kompakter und kräftiger beschrieben. Sie besitzen häufig breitere Blattfiedern und ein stärker verzweigtes, buschigeres Erscheinungsbild.
Typische Sativa-Merkmale
Klassische Sativa-Typen erscheinen dagegen tendenziell höher und schlanker. Charakteristisch sind häufig schmalere Blattfiedern und ein lockerer wirkender Aufbau.
Diese morphologischen Unterschiede sind bei ursprünglichen Populationen meist deutlicher ausgeprägt als bei modernen Hybridsorten.
Aromen und Terpenprofile
Auch bei den Aromen gibt es Unterschiede zwischen klassischen Cannabis-Populationen. Allerdings ist das Terpenprofil bei modernen Sorten wesentlich stärker von der konkreten Genetik abhängig als von einer einfachen Einteilung in Indica oder Sativa.
Interessant ist dennoch, dass wissenschaftliche Untersuchungen Zusammenhänge zwischen bestimmten Terpenen und den handelsüblichen Indica-/Sativa-Bezeichnungen gefunden haben.
Bei als Indica bezeichneten Sorten wurden beispielsweise häufiger bestimmte Terpene wie Myrcen, Guaiol sowie β- und γ-Eudesmol beobachtet. Andere Terpenprofile traten häufiger bei als Sativa klassifizierten Sorten auf. [7]
Das könnte mit dazu beitragen, warum unterschiedliche Sortengruppen von Konsumenten auch hinsichtlich Aroma und Wirkung unterschiedlich wahrgenommen werden. Eine einfache Regel wie „Sativa ist fruchtig und Indica ist erdig“ lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Aussagen dieser Art fallen also weiterhin eher in die Kategorie: „Trust me, bro!“
Was bedeuten Angaben wie „70 % Indica / 30 % Sativa“?
Angaben wie „70 % Indica / 30 % Sativa“ sind keine Laborwerte. Es gibt kein wissenschaftlich standardisiertes Verfahren, mit dem sich dieser Wert auf die Nachkommastelle bestimmen ließe.
Trotzdem sind diese Angaben für die Sortenbeschreibung keineswegs bedeutungslos.
Zunächst liefert die Abstammung der Elternlinien einen Anhaltspunkt. Darüber hinaus orientieren sich Züchter bei der Einordnung einer Sorte an den Eigenschaften, die sie während der Entwicklung und Selektion einer Genetik beobachten.
Dazu gehören insbesondere:
- das typische Wirkprofil,
- die Merkmale der verwendeten Elternlinien,
- das Erscheinungsbild der Pflanzen,
- Aromen und weitere sortentypische Eigenschaften.
Gerade die Wirkung spielt bei dieser praktischen Einordnung eine wichtige Rolle. Eine Sorte, die überwiegend ein aktivierendes, geistig anregendes Wirkprofil zeigt, wird typischerweise stärker in Richtung Sativa eingeordnet. Eine Sorte mit überwiegend beruhigendem und körperbetontem Charakter eher in Richtung Indica.
Die Prozentangabe sollte deshalb als zusammenfassende Charakterisierung durch den Züchter verstanden werden und nicht als genetischer Laborwert.
Eine Angabe wie „80 % Sativa / 20 % Indica“ sagt also vereinfacht: Diese Sorte besitzt nach Einschätzung des Züchters deutlich mehr Sativa-typische als Indica-typische Eigenschaften.
Fazit: Indica oder Sativa – die Wirkung macht den wichtigsten Unterschied
Für die praktische Einordnung moderner Cannabissorten sind Indica und Sativa weiterhin sinnvolle Begriffe.
Sativa-dominante Sorten werden typischerweise mit einer anregenden, energetischen und stärker geistig wahrgenommenen Wirkung verbunden. Indica-dominante Sorten stehen dagegen tendenziell für Entspannung, Ruhe und eine stärker körperbetonte Wirkung.
Diese Unterschiede sind Tendenzen und keine Garantie. Jede Sorte besitzt ein eigenes Cannabinoid- und Terpenprofil und die tatsächliche Wirkung kann individuell unterschiedlich wahrgenommen werden.
Gleichzeitig darf man die moderne Sorteneinteilung nicht mit der botanischen Taxonomie verwechseln. Wissenschaftlich betrachtet lassen sich heutige Cannabissorten genetisch nicht einfach in zwei sauber voneinander getrennte Gruppen namens Indica und Sativa aufteilen.
Für den Vergleich von Sorten bleiben die Angaben dennoch nützlich: Zusammen mit der Beschreibung des konkreten Wirkprofils, der Genetik und weiterer Sorteneigenschaften geben sie eine schnelle Orientierung darüber, welchen Charakter ein Züchter seiner Sorte zuschreibt.
Quellen
- Wikipedia: Hanf
- Wikipedia: Hanf (Art)
- Wikipedia: Indischer Hanf
- McPartland, J. M. & Small, E. (2020): Cannabis taxonomy post-Whole Genome Sequencing. PhytoKeys 144: 67–79.
- Sholler, D. J. et al. (2022): Use patterns, beliefs, experiences, and behavioral economic demand of indica and sativa cannabis. Experimental and Clinical Psychopharmacology 30(5): 575–583.
- An Ecological Examination of Indica Versus Sativa and Primary Terpenes on the Subjective Effects of Smoked Cannabis: A Preliminary Investigation.
- Relationship among subjective responses, flavor, and chemical composition across more than 800 commercial cannabis varieties.